Startseite
                                                                  Startseite  |  Sitemap  |  Impressum  |  Login
English

Kleines Glossar zur Krebsepidemiologie

Altersstandardisierung

Wegen der unterschiedlichen Bevölkerungsstruktur verschiedener Länder und den Veränderungen des Bevölkerungsaufbaus in jedem Land sind mit rohen Raten (pro 100.000 Einwohner) keine aussagekräftigen Vergleiche möglich. Dies gilt auch für Zeitreihen eines Landes über Jahrzehnte. Die Altersstandardisierung ist ein Verfahren, mit dem der Einfluss eines unterschiedlichen Bevölkerungsaufbaus korrigiert wird.
Bei der direkten Standardisierung werden die in der untersuchten Population (z.B. in der Region München) ermittelten Raten in 5-Jahres-Altersklassen auf eine Standardbevölkerung umgerechnet. Üblich ist der Bezug auf die Altersstruktur der letzten Volkszählung (BRD 87) für die Zeitreihen eines Landes.
Für internationale Vergleiche wird ein Weltbevölkerungsstandard genutzt. In diesem Standard sind die hohen Altersklassen geringer besetzt als im BRD-Standard, weshalb sich bei den meisten Krebserkrankungen kleinere Raten im Weltstandard ergeben (altersstandardisiert: 1 Maßzahl vs. altersspezifisch: 18 Maßzahlen für eine Krebserkrankung).

Bias

Jede Abweichung von Ergebnissen vom wahren Wert ist ein systematischer Fehler. Datensammlungen über die Auswahl der Patienten, Follow-up der günstigen Krankheitsverläufe, Analysen, Interpretationen und Publikationen können zu solchen Abweichungen führen.

Bias, Lead time ~

Wenn der Bezugspunkt bei einem natürlichen Krankheitsverlauf variiert, können bei Gruppenvergleichen durch einen sogenannten "zero time shift" systematische Fehler resultieren. Durch Früherkennung oder durch Nachsorgediagnostik kann die Entdeckung der Diagnose oder der Progression vorverlegt werden und eine scheinbare Verlängerung der Überlebenszeiten für krankheitsbedingte Verstorbene errechnet werden. Bei einer wirksamen Früherkennung wird natürlich die Überlebensrate verbessert.

Bias, Length time ~

Ein solcher Selektionsfehler tritt auf, wenn in einer Gruppe Patienten z.B. mit langsam wachsenden Krebserkrankungen häufiger sind. Daraus würden längere Überlebenszeiten resultieren, auch wenn die Überlebensraten gleich sind. Bei der Früherkennung ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, Erkrankungen mit niedriger Wachstumsgeschwindigkeit zu entdecken.

Death certificate only (DCO)

Dieses Qualitätsmaß für die Krebsregistrierung gibt an, wie viele Erkrankungsfälle einer Krebserkrankung eines Jahres erst durch die Todesbescheinigung einem Krebsregister bekannt wurden. Wenn alle Fachgebiete einschließlich der niedergelassenen Ärzte kooperieren, sollten auch nur palliativ zu behandelnde und ausschließlich ambulant betreute Patienten vor dem Tod dem Register mitgeteilt werden, die DCO-Rate sollte also möglichst klein sein. Die DCO-Rate ist nach Beginn der vollzähligen Erhebung erst interpretierbar, wenn die meisten Sterbefälle auch im Zeitraum nach dem Beginn erkrankt sind.

Epidemiologie

Forschung zur zeitlichen Veränderung des Gesundheitsstatus (Gesundheit und Krankheit) in Populationen und die Nutzung der Erkenntnisse (Public Health) zur Förderung der Gesundheit (klassische Definition: Das Studium der Verteilung und der Ursachen von Krankheiten in Populationen) =>Prävention

Hazard-Funktion

Eine Funktion in Abhängigkeit von der Zeit, die die bedingte Wahrscheinlichkeit für das Eintreffen eines Ereignisses angibt (unter der Bedingung, dass bis zur Zeit t kein Ereignis stattgefunden hat). Diese Funktion beschreibt damit die Zeitabhängigkeit der Ereignisrate (z.B. von Rezidiven, Metastasen oder Tod). Damit wird die Frage beantwortet, ob sich z.B. im ersten, dritten oder fünften Jahr nach Diagnosestellung die Metastasierungswahrscheinlichkeit ändert. Die einfachste Form ist Konstanz dieser Wahrscheinlichkeit, was beispielsweise beim Mammakarzinom zumindest für die ersten fünf Jahre nahezu zutrifft, d. h. bei einer 5-Jahres-Metastasenfreiheit von 30% würden im ersten Jahr bei 21 von 100, und im fünften Jahr bei 8 von 38 Patientinnen, also ebenfalls 21% Metastasen auftreten.

Inzidenz

Die Anzahl der Neuerkrankungen in einer Zeitperiode (i.a. 1 Jahr) in einer definierten Bevölkerung. Mindestens vier elementare Maßzahlen sollten unterschieden werden: Anzahl (z.B. wie viele Betten werden für die Primärtherapie benötigt?), rohe Rate (Krebserkrankungen pro 1.000 Krankenkassenbeitragszahler), altersstandardisierte (eine über Zeiträume und zwischen Nationen vergleichbare Größe) und altersspezifische Raten (komplexe Beschreibung der Altersabhängigkeiten mit 18 Zahlen). In Deutschland leben z. Zt. 40,1 Mio. Männer und 42,1 Mio. Frauen.

Konfidenzintervall (z.B. 95%)

Wertebereich um eine geschätzte, Zufallsschwankungen unterliegende Variable (Altersmittelwert, Anzahl Sterbefälle in einer Gemeinde, Inzidenz), in dem mit 95% Wahrscheinlichkeit der wahre Wert liegt.

Krebsregister

Ein modernes Krebsregister ist eine Dienstleistungseinrichtung, die für die vielen Interessen an dieser Erkrankung adäquate Daten auf der Basis einer vollzähligen Erhebung aller krebskranken Patienten für ein definiertes Einzugsgebiet erarbeitet.
Das Spektrum der Dienstleistungen reicht vom Nachweis der Häufigkeit auf Gemeindeebene bis zu den Langzeitergebnissen für die Region, für ein Krankenhaus oder für einen einzelnen Patienten. Epidemiologische Register, Nachsorgeregister oder klinische Register sind etablierte Varianten mit unterschiedlicher Aussagekraft und Bedeutung. Eine Synthese ist u.a. wegen der Kosten, identischer Basisdaten, der Dokumentationsbelastungen der Kliniken und der wissenschaftlichen Entwicklung naheliegend. Ein Klinikregister ist eine Infrastruktur, die direkt den Versorgungsprozess bei Diagnostik und Therapie unterstützt. Langfristig wird es in Krankenhausinformationssysteme eingebettet sein.

Lebenserwartung

Die Anzahl der noch zu erwartenden Lebensjahre einer Person in einem bestimmten Alter unter der Bedingung, dass die aktuell beobachtete Mortalität über die Lebenserwartung stabil bleibt. Neugeborene haben heute in Deutschland eine Lebenserwartung von 74,1 Jahren (männlich) und 80,2 Jahren (weiblich), 70-Jährige von 11,9 bzw. 14,9 Jahren.
Männer
Alter Sterbefälle pro 1000 in 1 Jahr Überlebensraten Lebenserwartung
2 Jahre 5 Jahre 10 Jahre
Jahre n % % % Jahre
40 2 99,6 98,7 96,8 35,9
50 5 98,9 96,8 92,1 26,9
60 14 97,2 92,0 80,3 18,7
65 22 95,4 87,3 70,7 15,1
70 34 93,0 80,9 57,7 11,9
75 57 88,7 71,2 40,6 9,1
80 88 82,4 57,0 23,0 6,7
85 139 73,1 40,4 11,5 4,9
Frauen
Alter Sterbefälle pro 1000 in 1 Jahr Überlebensraten Lebenserwartung
2 Jahre 5 Jahre 10 Jahre
Jahre n % % % Jahre
40 1 99,8 99,3 98,2 41,3
50 3 99,4 98,3 96,0 32,0
60 6 98,7 96,3 90,4 23,1
65 10 97,9 93,9 84,2 18,9
70 17 96,5 89,7 73,6 14,9
75 32 93,5 82,0 56,6 11,3
80 56 88,5 69,0 34,7 8,2
85 100 79,8 50,3 16,5 5,7
Lebenserwartung in der Normalbevölkerung für die früheren Bundesländer (Auszug aus der Sterbetafel der BRD 1995/97 [SBJ])

Letalität

Letalität bezeichnet die Sterbewahrscheinlichkeit unter der Bedingung erkrankt zu sein und damit das krankheitsspezifische Überleben. Sprachliche Unschärfen führen zu kontextabhängig richtigen Aussagen, dass die Mortalität z.B. beim Pankreaskarzinom bezogen auf alle Erkrankten 98% (Letalität) beträgt, bezogen auf alle krebsbedingten Sterbefälle 5,5% oder auf alle Sterbefälle 1,4% (Proportion).

Mortalität

Die Anzahl der Sterbefälle in einer Zeitperiode (i.a. 1 Jahr) in einer definierten Bevölkerung. Wie bei der Inzidenz sind vier Maßzahlen zu unterscheiden: Anzahl, rohe Rate, altersstandardisierte und altersspezifische Raten (s. Inzidenz).

Zeitraum männlich weiblich


n n
Mortalität - rohe Rate je 100.000 Männer oder Frauen der Gesamtbevölkerung (Früheres Bundesgebiet)


alle Krebserkrankungen 1999 270 244
Kolorektales Karzinom 1999 33 38
Lungenkarzinom 1999 70 22
Mammakarzinom 1999 0,5 42
Prostatakarzinom 1999 28
Mortalität - altersstandardisierte Rate (bzgl. Bevölkerungsaufbau der BRD 1987)


alle Krebserkrankungen 1970 264 278
1980 275 264
1990 273 252
1997 245 232
Mortalität - altersspezifische Raten 1999: für eine differenzierte Beschreibung reicht nicht eine Maßzahl. Geläufig ist die Beschreibung in 5-Jahres-Altersklassen (von 0 Jahren an bis > 85 Jahre, d.h. 18 Maßzahlen) jeweils als Rate je 100.000 dieser Altersgruppe.


alle Krebserkrankungen 50-55 J. 211 161
70-75 J. 1281 684
Kolorektales Karzinom 65-70 J. 109 59
Lungenkarzinom 65-70 J. 284 58
Mammakarzinom 65-70 J. 1 86
Prostatakarzinom 65-70 J. 64
Verschiedene Maßzahlen zur Mortalität von Krebserkrankungen
Von 1.000 70-jährigen Männern sterben 35 im 70. Lebensjahr. 56,9% werden 80 Jahre alt. Die mittlere Lebenserwartung beträgt im Alter von 70 Jahren 11,9 Jahre. Gerade bei prognostisch günstigem Stadium von Krebserkrankungen ist im fortgeschrittenen Alter die Relation zur Normalbevölkerung zu beachten. Ein 70-Jähriger verstirbt innerhalb von 5 Jahren eher nicht krebsbedingt als z.B. nach der Diagnosestellung an einem Malignen Melanom.

Odds

Chance für das Eintreten und das Nichteintreten eines Ereignisses. Die odds ratio ist das Verhältnis zweier odds. In Therapiestudien beschreibt die odds ratio z.B. Progressionen versus Tumorfreiheit in der Experimentalgruppe versus Vergleichsgruppe, d. h. die Wirksamkeit eines neuen Therapieansatzes. Die Signifikanz des Schätzers wird i.a. durch das Konfidenzintervall beschrieben, das bei Auffälligkeit die 1 nicht enthält. In Fall-Kontroll-Studien ist es das Verhältnis der Exponierten zu Nichtexponierten in der Fallgruppe zu dem der Kontrollgruppe. Bei seltenen Erkrankungen ist die odds ratio ein Schätzer für das relative Risiko.

Prävalenz

Anzahl (oder Rate) der (Krebs-) Kranken zu einem bestimmten Zeitpunkt (Punktprävalenz) in einer Bevölkerung. Diese Maßzahl hängt entscheidend von der Definition Krebskrankheit ab. "Einmal Krebskranker, immer Krebskranker" dürfte ca. 1,5 Mio. (jährlich ca. 340.000 Neuerkrankungen, d.h. Faktor 4,4) Krebskranke bedeuten, die unter uns leben und die gestern oder vor 20 Jahren mit der Diagnose konfrontiert worden sind.
Diese Definition ist jedoch nicht sinnvoll, z.T. psychisch und ethisch nicht vertretbar. Wenn z.B. beim Hodentumor nach 5 Jahren nach Diagnose kein Rezidiv beobachtet wird, bedeutet eine Krankheitsdauer "lebenslang" bei einer Inzidenz von 8/100.000 ca. 120.000 Kranke, bei einer Krankheitsdauer von 5 Jahren nur 15.000.

Prävention

umfasst alle Maßnahmen, um Krankheiten zu verhindern, zu heilen oder ihren Verlauf zu lindern. Damit gibt es sechs verschiedene Präventionsebenen in der Onkologie:
1. Primäre Prävention

Das Auftreten von Krebserkrankungen verhindern, z. B. durch Aufgeben des Rauchens, Vermeiden hohen Alkoholkonsums und durch abwechslungsreiche, nicht fettreiche Ernährung, insbesondere durch reichlichen Verzehr von Obst und frischem Gemüse. Um ca. 20% könnte die krebsbedingte Mortalität gesenkt werden.
2. Sekundäre Prävention

Die Früherkennung von Krebserkrankungen (oder Vorstufen) in einem Stadium, das mit höherer Überlebensrate verbunden ist (Reduktions-potential ca. 5% bei Frauen). Screening: Ein systematisches Programm für Gesunde ohne Symptome
3. Tertiäre Prävention

Die Anwendung der aktuellen Standards der Primärversorgung.
4. Quartäre Prävention

Tumornachsorge für die tumorfreie Zeit, in der neben der Patientenführung die regelmäßige Diagnostik i.w. bei Systemerkrankungen - Hoden-, Blasentumor und Chorionkarzinom - einen hohen Stellenwert hat.
5. Quintäre Prävention

Tumornachsorge für progrediente Patienten, die die Chance einer tumorgerichteten Therapie nutzen.
6. Sextäre Prävention

Symptomorientierte Therapie bis zur modernen Schmerztherapie, mit der die Lebensqualität präfinal optimiert werden kann.
Die sechs Präventionsebenen für Krebserkrankungen

Progression

Zur Beschreibung des Krankheitsverlaufs wird vom TRM auch das Fortschreiten der Erkrankungen registriert. Bei soliden Tumoren wird zwischen Lokalrezidiven, Lymphknotenrezidiven und Metastasierungen (einschl. der Organmanifestation) unterschieden, bei Systemerkrankungen dagegen ist nach tumorfreien Phasen allgemein das erste erfasste Rezidiv entscheidend. Zumindest Art und Zeitpunkt der ersten Metastasenmanifestation und des ersten lokalen oder regionären Rezidivs sollten erfasst werden. Damit lassen sich die Länge des tumorfreien Intervalls, die Überlebenszeit nach Progression und Todesfälle mit und ohne vorherige Metastasierung unterscheiden.

PYLL (potential years of life lost)

Maßzahl zur Gewichtung einer Krankheit durch die verlorenen Lebensjahre. Z.B. gehen bei einem durch einen Hodentumor bedingten Sterbefall im Mittel 40 Lebensjahre, beim Prostatakarzinom 12 Lebensjahre verloren.

Qualy (quality-adjusted life years)

Die zu erwartenden Lebensjahre eines Menschen werden mit der Lebensqualität gewichtet, einem Maß zwischen 0 und 1. Dadurch kann eine Lebensverlängerung, die durch intensive stationäre Versorgung erreicht und von Seiten der Patienten als belastend empfunden wird, einem kürzeren Leben unter ambulanter Betreuung rechnerisch gleichgesetzt werden.

Risiko

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ereignis (Erkrankung, Tod) in einem Zeitintervall oder einem bestimmten Alter auftritt. Das Risiko im Alter von 60 zu sterben beträgt 1,39% (männlich) und 0,63% (weiblich). Ein Risikofaktor ist ein Merkmal im persönlichen Verhalten oder ein Einfluss von außen, zu dem ein statistischer – nicht notwendig kausaler – Zusammenhang zu einer Erkrankung besteht.
Die kumulative Inzidenz, berechnet bis zu einer bestimmten Altersgrenze, ist das Risiko bis zu diesem Alter zu erkranken, unter der Bedingung, dass man dieses Lebensalter auch erreicht (Summe der altersspezifischen Inzidenzen). Die kumulative Inzidenz für Frauen, am Mammakarzinom bis zum 60. Lebensjahr zu erkranken, beträgt 4,8%, bis zum 70. Lebensjahr 8,7% und bis zum 85. Lebensjahr 16% (SEER-Daten mit einer altersstandardisierten Rate von 95,3 (Weltstandard)). TRM-Daten: Altersstandardisierte Rate=82,6 mit entsprechenden kumulativen Inzidenzen von 4,5%, 8,0% und 12,3%.
Das Lebenszeitrisiko ist die Wahrscheinlichkeit, dass im Verlauf des Lebens eine bestimmte Erkrankung auftritt bzw. dass man daran verstirbt. Das Lebenszeitrisiko beträgt für die Erkrankung Mammaca. 12,6% und für den Tod durch Mammaca. 3,5% (SEER-Daten).
Das relative Risiko (RR) ist das Verhältnis zweier Risiken (z.B. kumulatives Erkrankungsrisiko), das z.T. durch die odds-ratio geschätzt werden kann. Das relative Risiko für einen Mann im Vergleich zu einer Frau im 60. Lebensjahr zu sterben beträgt 2,2. Das relative Risiko innerhalb von 10 Jahren nach einem pT2-Mammaca. Im Vergleich zu allen anderen Ursachen zu sterben beträgt für eine 50-Jährige 10,5 und für eine 70-Jährige 2,1. RR ist im engeren Sinne das Verhältnis der Risikos von Exponierten und Nichtexponierten.

Sterbetafel (life table)

Zusammenfassende Beschreibung der aktuellen Mortalitätsverhältnisse einer Bevölkerung. Die Sterbe- bzw. Überlebenswahrscheinlichkeit sowie die durchschnittliche Lebenserwartung sind der Sterbetafel für jedes Alter und Altersintervall zu entnehmen. Diese Daten sind die Grundlage der Berechnung des erwarteten Survivals in einer Erkrankungsgruppe.

Überleben (survival)

Eine Überlebenskurve, beginnend mit 100%, gibt für jeden Zeitpunkt des Beobachtungszeitraumes den Prozentsatz der Überlebenden in der jeweiligen Kohorte an. Die üblichen Angaben der 5- oder 10-Jahres-Überlebensraten sind ausgewählte Zeitpunkte der Überlebenskurve.
Gesamtüberleben (overall survival): Als Zielereignis werden alle Sterbefälle, tumorunabhängige und tumorabhängige gewertet. Da vom TRM derzeit nur das Überleben, nicht die Progression weitgehend zuverlässig erhoben werden kann, sind das Gesamtüberleben und das relative Überleben die beiden Methoden der Wahl.
Tumorspezifisches Überleben: Nur die tumorbedingten Sterbefälle werden als Zielereignis berücksichtigt. Dies setzt die systematische Erfassung von Metastasierung und Progressionen voraus.
Erwartetes Überleben bzgl. Alter und Geschlecht: Zeitlicher Verlauf des Überlebens einer zur Normalbevölkerung bzgl. Alter und Geschlecht identisch zusammengesetzten Kohorte.
Relatives Überleben: Quotient von beobachtetem und erwartetem Überleben als Schätzung für das tumorspezifische Überleben. Alters- und Geschlechtsunterschiede von Kohorten werden korrigiert. Das relative Survival bleibt konstant, wenn die Patienten ein zur Normalbevölkerung vergleichbares oder besseres (Anstieg) Überleben haben.
Tumorfreies Überleben: Eine "Überlebenskurve" für die Beschreibung der tumorfreien Zeit, die durch manche Therapien beeinflussbar ist.

Vergleiche

Mortalität oder Inzidenz von verschiedenen Nationen können entweder anhand von 18 altersspezifischen Raten oder mit einer Maßzahl, der altersstandardisierten Rate, verglichen werden. Dieser Rate muss allerdings derselbe Standard zugrunde liegen. Ein nationaler Standard (die Bevölkerungsstruktur der letzten Volkszählung von 1987, BRD 87), Europa- oder Weltstandard liefern jeweils ganz andere Ergebnisse.

Versorgung

Versorgung ist das arbeitsteilige, evidenzbasierte und abgestimmte Bemühen aller Versorgungsträger einer Region um jeden Patienten. Maßzahlen zur Beschreibung der Versorgung von Krebskranken ergeben sich aus der Verknüpfung mit anderen Kenngrößen. Solche Kenngrößen sind z.B. die ca. 110.000 niedergelassenen Ärzte in Deutschland oder die ca. 35,7 Mio. freiwillig oder pflichtversicherten Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung. 14 Krebspatienten betreut durchschnittlich ein niedergelassener Arzt, jährlich erkranken und sterben drei seiner Patienten, einer an anderen Todesursachen, zwei an Krebs, einer davon Zuhause. Die Therapie eines Krebspatienten wird z.Zt. von ca. 1.050 Beitragszahlern getragen. Allein aufgrund der Veränderung der Bevölkerungsstruktur und bei gleichbleibender Inzidenz könnte diese Anzahl in 30 Jahren auf 600 sinken.

Versorgungskosten

Zwar weiß man, wie viele EKGs, Mammographien etc. im ambulanten Sektor anfallen, aber die durchschnittlichen Kosten zur Versorgung einer speziellen Krankheit sind unbekannt. Auf ca. 50.000 Euro werden die Kosten für eine Krebserkrankung geschätzt. Dies ergibt für Deutschland ca. 17 Mrd. Euro oder für die Region München 0,5 Mrd. Euro. Die Kosten für ein modernes Kommunikations- und Informationskonzept mit Qualitätsmanagement in Form eines Tumorregisters dürften 0,25% betragen, quasi "Peanuts" für die Information und Kommunikation im Vergleich zur Industrie (aktueller Stand der Kosten des TRM 0,11%).